Für die Behandlung von Arthritis stehen verschiedene schulmedizinische und natürliche Medikamente und Heilmittel zur Verfügung. Je nach Form der Arthritis werden unterschiedliche Arzneimittel eingesetzt.

Frau benötigt Arthritis BehandlungWas ist Arthritis?

Bei Arthritis handelt es sich um eine Gelenkentzündung, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Von einer Monoarthritis wird gesprochen, wenn ein Gelenk betroffen ist. Bei einer Polyarthritis sind mehrere Gelenke entzündet.

Es gibt unterschiedliche Formen von Arthritis, nach der sich auch die Behandlungsmethode richtet. Die häufigste Form ist die rheumatoide Arthritis.

Für die Behandlung der Arthritis stehen sowohl schulmedizinische als auch natürliche Heilmittel und Medikamente zur Verfügung. Mehr Informationen über Arthritis bei denen es nicht um Behandlungsmethoden geht, finden Sie hier.

Schulmedizinische Medikamente für die Behandlung von Arthritis

Wie oben bereits erwähnt richtet sich die Wahl des Medikaments nach der Form und Ursache der Arthritis. In der Regel wird Arthritis mit diesen Arzneimitteln behandelt:

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

Diese Arzneimittel werden bei entzündlich-rheumatischen Krankheiten wie die rheumatoide Arthritis eingesetzt. Sie wirken gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber.

NSAR sorgen dafür, dass die beiden Enzyme COX-1 (Cyclooxygenase-1) und COX-2 (Cyclooxygenase-2) gehemmt werden. COX-1 und COX-2 produzieren Prostaglandine (Gewebshormone):

  • COX-1 produziert Prostaglandine, die für den Schutz der Magen- und Darmschleimhaut und für die Ausscheidung von Wasser durch die Nieren sorgen. Ebenso sind sie bei der Blutgerinnung dafür zuständig, dass die Blutplättchen verklumpen.
  • Die von COX-2 produzierten Prostaglandine werden vor allem bei einer Gewebezerstörung aktiv und lösen Entzündungen, Fieber und Schmerzen aus. Diese Gewebshormone halten eine Entzündungsreaktion aufrecht oder verstärken sie.

Durch NSAR werden die beiden Enzyme und somit auch die Entzündungen gehemmt.

Untergruppen von NSAR

Die Untergruppen der nicht-steriodalen Antirheumatika beziehen sich auf ihre chemische Struktur:

Salicylate

Ursprünglich wurde Salicylsäure aus der Weidenrinde gewonnen. Da diese Säure sowie manche chemischen Abwandlungen von Salicylsäure nur schlecht vertragen werden, stehen sie nicht für die innere Anwendung, sondern ausschließlich für die äußere Anwendung zur Verfügung. Von Salicylsäure gibt es einen Abkömmling namens Acetylsalicylsäure (ASS). Diese wird auch innerlich angewendet und wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Die Gefahr von Magenblutungen ist jedoch bei ASS besonders hoch.

Coxibe (COX-2-Hemmer)

Zu diesen noch relativ neuen Wirkstoffen gehören Parecoxib, Valdecoxib, Etoricoxib und Celecoxib. Wie der Name „COX-2-Hemmer“ schon aussagt, hemmen Coxibe ausschließlich COX-2. Somit treten Nebenwirkungen bei der Blutgerinnung, der Magenschleimhaut und der Wasserausscheidung kommen weniger häufig vor. Noch nicht ganz erforscht ist, ob Coxibe das Risiko für Herzinfarkt erhöhen.

Essigsäureverbindungen

Zu dieser Untergruppe gehören Indometacin, Diclofenac, Bromfenac, Acemetacin und Aceclofenac. Diese Stoffe haben eine stark hemmende Wirkung auf Entzündungen.

Oxicame

Meloxicam und Piroxicam unterscheiden sich zwar von der chemischen Struktur der Essigsäureverbindungen, haben aber die gleiche Wirkungsstärke.

Propionsäureverbindungen

Zu dieser Gruppe gehören Naproxen, Ketoprofen und Ibuprofen. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Glukokortikoide

Zur Behandlung von Arthritis kommen auch Glukokortikoide wie Kortison, Prednison, Hydrocortison, Dexamethason oder Methylprednisolon zum Einsatz.

Glukokortikoide hemmen Entzündungsreaktionen, wobei die Wirkung sehr schnell eintritt. Eine längerfristige Therapie mit diesen Arzneimitteln ist jedoch fast immer mit Nebenwirkungen verbunden. Diese Cortison-artigen Stoffe werden meistens für die Überbrückungszeit angewendet, bis die Wirkung der Basistherapie einsetzt.

Immunsuppressiva

Diese Medikamente unterdrücken die körpereigene Abwehr. Bei Arthritis besteht eine Fehlfunktion des Immunsystems: Es richtet sich gegen den eigenen Körper. Mit Immunsuppressiva wird diese falsche Reaktion verändert.

In der schulmedizinischen Behandlung von Arthritis werden in der Regel diese Immunsuppressiva in Tablettenform angewendet:

  • Cortison wie Decortin H oder Decortin
  • Azathioprin wie Imurek
  • Cyclophosphamid wie Endoxan
  • Ciclosporin wie Immunosporin

Die Wirkung von Immunsuppressiva tritt frühestens nach drei Monaten ein. Spätestens nach sechs Monaten sollte eine Besserung eingetreten sein.

Bei Immunsuppressiva kommt es häufig zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Ebenso kann es zu Problemen am blutbildenden System, der Leber und der Niere kommen. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen muss das Blut sowie der Urin regelmäßig kontrolliert werden.

Da das Immunsystem unterdrückt wird, besteht eine höhere Anfälligkeit gegenüber Infektionen.

Antibiotika

Bei einer akuten infektiösen Arthritis werden Antibiotika eingesetzt. Eine infektiöse Gelenkentzündung gilt als Notfall, denn bei schweren Fällen kann es zum Schock und zur Blutvergiftung kommen.

Welches Antibiotikum angewendet wird, hängt vom Erreger ab.

Basistherapeutika

Bei rheumatoider Arthritis werden Basistherapeutika eingesetzt, wobei es sich um spezielle Medikamente gegen Rheuma handelt. Diese Medikamente benötigen in der Regel einige Wochen, bis die volle Wirkung spürbar ist.

Mit Basistherapeutika lässt sich die Erkrankung eindämmen, da die Entzündungsmechanismen unterdrückt werden.

Am häufigsten werden die Therapeutika Leflunomid und Methotrexat eingesetzt. Weitere oft zum Einsatz kommende Basistherapeutika sind Goldsalze, Azathioprin und Ciclosporin.

Chloroquin und Sulfasalazin werden bei leichten Fällen von rheumatoider Arthritis angewendet.

Biologika

Biologika sind eine Untergruppe der Basistherapeutika: Eiweißsubstanzen, die biotechnologisch herstellt werden. Diese Substanzen richten sich gegen bestimmte Botenstoffe, die eine Entzündung fördern. Biologika kommen unter anderem bei schweren Fällen von rheumatoider Arthritis zum Einsatz.

In Deutschland sind diese Biologika zu erhalten (in Klammern steht der Handelsname):

  • Certolizumbab (Cimzia®)
  • Golimumbab (Simponi®)
  • Etanercept (Enbrel®)
  • Adalimumba (Humira®)
  • Infliximab (Remicade®)
  • Abatacept (Orencia®)
  • Canakinumab (Ilaris®)
  • Anakinra (Kineret®)
  • Ixekizumab (Taltz®)
  • Rituximab (MabThera®)
  • Belimumbab (Benlysta®)
  • Ustekinumab (Stelara®)
  • Tocilizumab (RoActemra®)
  • Secukinumab (Cosentyx®)
  • Sarilumab (Kevzara®)

Biologika wirken im Vergleich zu anderen Basistherapeutika schneller und sie sorgen dafür, dass die Krankheit langsamer voranschreitet. Es ist jedoch noch nicht bekannt, ob und welche eventuell gefährlichen Nebenwirkungen bei einer Langzeittherapie auftreten. Deshalb werden Biologika in der Regel nur dann eingesetzt, wenn die erwünschte Wirkung von anderen Basistherapeutika nicht erzielt werden konnte.

Kinase-Inhibitoren

Relativ neu sind zwei Arzneimittel gegen rheumatoider Arthritis. Sie basieren auf Baricitinib und Tofacitinib. Diese Kinase-Inhibitoren unterbinden Arthritis hervorrufende Entzündungsprozesse auf zellulärer Ebene. Sie hemmen die Enzyme Janus-Kinase 1 und Janus-Kinase 3, die bei rheumatoider Arthritis überaktiviert sind. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hält diese Arzneimittel als die effektivste Möglichkeit zur Behandlung rheumatoider Arthritis.

Sprechen Patienten auf Biologika nicht an, können diese Kinase-Inhibitoren zum Einsatz kommen.

Natürliche Heilmittel für die Behandlung von Arthritis

Auch mit natürlichen Heilmitteln kann eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung erreicht werden. Je nach Schweregrad der Arthritis reichen diese Mittel jedoch nicht aus. In Absprache mit dem behandelnden Arzt können sie aber oftmals unterstützend zur Basistherapie eingesetzt werden. Folgend eine Auswahl der natürlichen Mittel, die bei Arthritis zum Einsatz kommen können.

Apfelessig

Durch die in Apfelessig enthaltenen Mineralien reguliert er den pH-Wert des Körpers, sodass Entzündungen reduziert und verhindert werden. Zudem hilft Apfelessig die Schmerzen zu lindern.

Apfelessig sollte auf nüchternem Magen getrunken werden: In ein Glas warmes Wasser rührt man ein Esslöffel Apfelessig und ein Teelöffel Honig ein.

Ingwer

Das in Ingwer enthaltende Gingerol wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und reduziert die Gelenkschwellungen. Die betroffenen Gelenke können mit Ingweröl eingerieben werden.

Zur Unterstützung des Heilungsprozesses empfiehlt sich das tägliche Trinken eines Ingwertees, der aus frischem Ingwer hergestellt wird.

Kurkuma

In Kurkuma ist Curcumin enthalten, welches stark entzündungshemmend wirkt. Die Wirkung von Kurkuma ist ähnlich der von NSAR.

Aus Kurkuma lässt sich ein Getränk herstellen, dass täglich getrunken werden sollte: Man bringt ein Liter Wasser zum Kochen und gibt einen Esslöffel Kurkumapulver hinein. Diese Wasser-Kurkuma-Mischung lässt man rund zehn Minuten köcheln. Nachdem die Mischung abgekühlt ist, wird sie über den Tag verteilt getrunken.

Sandelholzpulver

Mit Sandelholzpulver lässt sich eine Paste herstellen, die auf das betroffene Gelenk aufgetragen wird. Dazu muss das Pulver lediglich mit etwas Wasser gemischt werden. Die Paste sollte zirka dreißig Minuten einwirken können, bevor sie abgewaschen wird.

Bittersalz

In Bittersalz befindet sich Magnesium, welches entspannend auf Muskeln und Gelenke wirkt. Bei Arthritis ist ein warmes Bad mit Bittersalz empfehlenswert. Dazu werden etwa drei Tassen Salz ins Badewasser gegeben.

Kartoffelwasser

Kartoffelwasser wirkt säurereduzierend. Dieses Wasser sollte auf nüchternem Magen getrunken werden. Hierzu kann das Kochwasser von Kartoffeln verwendet werden. Eine andere Möglichkeit ist es, aus rohen Kartoffeln Kartoffelwasser herzustellen: Kartoffel in dünne Scheiben schneiden und für einige Stunden in Wasser legen. Am besten werden die rohen Kartoffeln über Nacht in Wasser gelegt, sodass morgens direkt das Kartoffelwasser zur Verfügung steht.

Zitronensaft

Zitronensäure wirkt schmerzlindernd, da sie in der Lage ist, Ablagerungen wir Harnsäurekristalle aus den Gelenken zu lösen. Dafür presst man morgens eine frische Zitrone aus und trinkt den mit Wasser verdünnten Saft auf nüchternem Magen.

Homöopathische Mittel

Unter anderem kommen diese homöopathischen Mittel bei Arthritis zum Einsatz:

  • Apis mellifica

(Oft ist nur ein Gelenk betroffen, welches gerötet, heiß und berührungsempfindlich ist. Die Schmerzen werden als stechend und brennend beschrieben. Die Beschwerden werden durch Kühlung gebessert und durch Wärme verschlechtert.)

  • Bryonia

(Die Gelenke sind berührungsempfindlich und gerötet. Die Schmerzen werden als brennend, ziehend oder stechend empfunden. Durch geringste Bewegungen kommt es zur Verschlechterung und durch Ruhe zur Besserung der Beschwerden.)

  • Colchicum

(Oft sind nacheinander mehrere Gelenke betroffen. Diese sind geschwollen und berührungsempfindlich. Die Schmerzen sind einschießend, ziehend und reißend. Die Beschwerden werden durch Wärme gebessert.)

  • Dulcamara

(Gelenkschmerzen und steife Gelenke treten vor allem bei Kälte oder Durchnässung auf.)

  • Ledum

(Die Gelenke sind heiß und geschwollen. Ruhe führt zu einer Besserung und Wärme zu einer Verschlechterung der Symptome.)

  • Rhododendron

(Betroffen sind kleine Gelenke, in denen ein Kribbeln und ziehende Schmerzen zu spüren sind. Es kommt durch Wärme und Bewegung zur Besserung der Beschwerden.)

  • Rhus toxicodendron

(Die Gelenkschmerzen werden als reißend empfunden. Nach Ruhe und ersten Bewegungen werden sie stärker. Bei weiterer Bewegung sowie bei Streckung und Wärme lassen die Schmerzen etwas nach)

Orthokin-Therapie

Bei der noch neuen Orthokin-Therapie werden dem Patienten körpereigene Stoffe injiziert. Diese Eigenblut-Therapie ist in erster Linie für Patienten mit Arthrose gedacht, bietet sich aber auch bei rheumatoider Arthritis an.

Die molekulare Orthopädie fand heraus, dass Arthrose durch IL-1beta verursacht wird. Dabei handelt es sich um den Botenstoff namens Interleukin. Bei Patienten mit Arthrose wird zu viel Interleukin hergestellt. Dadurch greift die Substanz den Gelenkknorpel an. Folglich bildet sich Knorpelmasse zurück und die Knochen der Gelenke reiben aneinander.

Damit die Produktion von IL-1 begrenzt werden kann, wird der Gegenspieler namens Interleukin-1-Rezeptor-Antagnost (IL-1Ra) eingesetzt, welches die Schmerzen reduziert und die Entzündung hemmt.

Der menschliche Körper kann zwar IL-1Ra selbst produzieren, aber nicht in der Menge, die für eine Therapie bei Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis notwendig ist. Deshalb geschieht die Vermehrung dieses Gegenspielers im Labor.

Dem Patienten wird Blut abgenommen und daraus wird das IL-1Ra gewonnen und im Labor stark vermehrt. Anschließend erhält der Patient das IL-1Ra per Injektion.

Das eigene Blut des Patienten wird gereinigt und aufbereitet, bevor es gespritzt wird. Somit können keine Nebenwirkungen auftreten.

Obwohl diese Therapie frei von Nebenwirkungen ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht die Kosten für diese Behandlung. Lediglich einige Anbieter privater Krankenversicherungen zahlen die Kosten für eine Orthokin-Therapie (pro Spritze ungefähr 100 Euro). Mehr Details zur Orthokin-Therapie können Sie bei Medizin-Aspekte.de nachlesen.

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