Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, genauer gesagt eine Hyperurikämie: Es kommt zu einer Ansammlung von zu viel Harnsäure im Blut, sodass sich Harnkristalle entwickeln können. Diese Kristalle lagern sich an unterschiedlichen Orten im Körper ab, besonders in den Gelenken, Sehnen und Schleimbeuteln.

GichtMan unterscheidet zwischen der primären und sekundären Gicht. Bei der primären Gicht wird erblich bedingt zu viel Harnsäure gebildet, beziehungsweise zu wenig Harnsäure ausgeschieden und die sekundäre Gicht ist eine Folge einer anderen Krankheit.

Diese Krankheit kommt in Wohlstandsgebieten viel häufiger vor als in Ländern, in denen kein Wohlstand vorherrscht. Dieser Fakt lässt sich mit der Ernährung erklären: In Ländern mit einem hohen Lebensstandard werden zu viel Fleisch und Innereien gegessen und zu viel Alkohol getrunken. Diese Lebensmittel fördern die Entwickelung von Gicht. Außerdem erkranken mehr Männer als Frauen sowie überwiegend ältere Personen an Gicht.

Ursachen

Meistens ist Gicht erblich bedingt, das heißt, durch genetische Veränderungen wird entweder zu wenig Harnsäure ausgeschieden oder zu viel gebildet. Dabei kommt es zu einem Harnsäureüberschuss und die sich entwickelnden Harnkristalle setzen sich in Gelenken, Sehnen oder Schleimbeutel ab.

Die Ursache kann aber auch in einer anderen Krankheit zu finden sein, durch die sich der Harnsäurespiegel erhöht, beispielsweise durch Nierenerkrankungen oder Leukämie.

Außerdem begünstigen purinhaltige Lebensmittel die Entwicklung von Gicht. Alkohol, Schwankungen des Stoffwechsels und Stress können Gicht auslösen.

Symptome

Zunächst bleiben Beschwerden aus. Bis sich die Gicht durch Symptome bemerkbar macht, kann es Jahre oder auch Jahrzehnte dauern. Die ersten Beschwerden treten dann auf, wenn ein gewisser Wert der Harnsäurekonzentration erreicht ist und es zum akuten Gichtanfall kommt:

  • starke Gelenkschmerzen
  • betroffenes Gelenk schwillt an, wird warm und rot
  • manchmal kommt Fieber hinzu
  • Berührungen des Gelenks sind sehr schmerzhaft

Zu Beginn dauert ein solcher Gichtanfall zwischen vier und acht Tage und verschwindet auch ohne Behandlung wieder von selbst. Oftmals vergehen Monate oder Jahre, bis der nächste Anfall erfolgt.

Wichtig

Wird Gicht nicht ausreichend behandelt oder nicht früh erkannt, kann sich ein chronischer Verlauf entwickeln. Die Betroffenen leiden ständig unter Gelenkschmerzen und es kommt zur Gelenkveränderung. Es können Gichtknoten entstehen, die jedoch schmerzlos sind.

Diagnose

Der Verdacht auf Gicht besteht in der Regel durch die Symptome, die für einen akuten Anfall typisch sind. Vom ersten Gichtanfall ist meistens der große Zeh betroffen. Die starken Schmerzen am großen Zeh werden durch die Entzündung des Grundgelenks verursacht. Treten diese Beschwerden innerhalb weniger Stunden auf und verschwinden die Schmerzen spätestens nach vierzehn Tagen, besteht der Verdacht auf Gicht.

Für die Diagnose ist vor allem eine Blutuntersuchung wichtig, mit der sich der Harnsäurewert feststellen lässt. Der Harnsäurespiegel ist bei Gicht erhöht. Zudem führt der Arzt eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit durch, mit der sich nachweisen lässt, ob sich Harnsäurekristalle in den betroffenen Gelenken entwickelt haben.

Eine Röntgenuntersuchung wird in der Regel erst im späteren Verlauf der Erkrankung durchgeführt, da sich Gichtknoten gebildet haben können oder es zu Gelenkveränderungen kommen kann.

Behandlung

Die Behandlung von Gicht sollte so früh wie möglich anfangen. Ziele sind die Harnsäurespiegel-Senkung und die Linderung der Beschwerden.

Die initale Therapie (anfängliche) soll den Gichtanfall unterbrechen und die Schmerzen reduzieren. Dazu können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika
  • Steroidale Glukokortikoide
  • Colchicin

Diese Medikamente dienen lediglich der Schmerzlinderung. Der Harnsäurespiegel wird damit nicht herabgesetzt. Betroffene sollten die Behandlung unterstützen, indem sie viel trinken, Alkohol meiden und die betroffenen Gelenke kühlen und ruhig halten.

Um weitere Gichtanfälle und einen chronischen Verlauf zu vermeiden, ist eine Dauerbehandlung notwendig. Der Harnsäurespiegel muss gesenkt und stabilisiert werden.

Die Dauertherapie umfasst folgende Maßnahmen:

  • Ernährung umstellen und auf purinhaltige Lebensmittel möglichst komplett verzichten. Außerdem sollte der Anteil von Fett in der Nahrung reduziert werden.
  • Bei Übergewicht sollte eine Gewichtsreduzierung angestrebt werden.
  • Auf Alkohol sollte ebenfalls möglichst ganz verzichtet werden, denn Alkohol lässt den Harnsäurespiegel ansteigen.
  • Täglich sollten mindestens zwei Liter getrunken werden.
  • Medikamente zur Senkung des Harnsäurespiegels gehören ebenfalls zu einer dauerhaften Behandlung.

Ebenso kann es zu einem akuten Gichtanfall kommen, wenn zu streng gefastet wird: Bei Hunger gewinnt der Körper Energie, indem er Muskeln abbaut und dabei kommt es zur Freisetzung von Purinen.

Abführmittel oder harntreibende Mittel können das Blut verdickten, wenn sie übermäßig gebraucht oder über einen langen Zeitraum eingenommen werden. Dies lässt die Harnsäurekonzentration ansteigen, sodass ein Gichtanfall ausgelöst werden kann.
Es wird zwischen der primären Gicht und der sekundären Gicht unterschieden:

Primäre Gicht – Bei der primären Hyperurikämie ist eine angeborene Stoffwechselstörung für Gicht verantwortlich. Meistens funktionieren die Nieren nicht korrekt, sodass zu wenig Harnsäure ausgeschieden wird.
Eher seltener entwickelt sich die primäre Gicht durch eine Überproduktion der Harnsäure. Wird zu viel Harnsäure produziert, liegt ein Gendefekt vor, der vorwiegend bei Jungen auftritt. Diese Erkrankung wird von Medizinern Lesch-Nyhan-Syndrom genannt.

Sekundäre Gicht – Die sekundäre Gicht wird durch andere Krankheiten ausgelöst, durch die entweder zu viel Harnsäure produziert wird oder der Abbau von Harnsäure gehemmt wird.

Verlauf

Wird der Harnsäurespiegel rechtzeitig gesenkt und stabilisiert, verläuft die Erkrankung in der Regel positiv und komplikationsfrei. Wird die Gicht jedoch nicht behandelt, kann aus dem akuten Anfall eine chronische Krankheit werden.

Diese Erkrankung wird in Phasen gegliedert:

Asymptomatische Krankheitsphase

Bevor ein erster Gichtanfall auftritt, sind die Betroffenen meistens jahrelang oder sogar über Jahrzehnte beschwerdefrei. Die Konzentration der Harnsäure im Blut ist zwar leicht erhöht, aber in dieser Phase treten noch keine Symptome auf.

Akuter Gichtanfall

Ein akuter Gichtanfall entwickelt sich durch einen ansteigenden Harnsäurespiegel, sodass sich im Gewebe eine zu große Menge an Harnsäure abgelagert hat.

Interkritische Krankheitsphase

Die interkritische Phase folgt nach einem abgeklungenen Gichtanfall. Diese beschwerdefreie Zeitspanne kann monatelang oder auch jahrelang anhalten. Wird die Gicht nun nicht oder nur unzureichend behandelt, kommt es schneller zum nächsten akuten Gichtanfall und die Krankheit kann einen chronischen Verlauf nehmen.

Chronischer Verlauf

Zu einem chronischen Verlauf kann es kommen, wenn die Behandlung nicht ausreichend ist oder wenn die Diagnose zu spät gestellt wurde. In dieser Phase leiden die Betroffenen ständig unter Schmerzen sowie an bleibenden Veränderungen der Gelenke, die im Laufe der Zeit immer mehr Beschwerden verursachen. Meistens bilden sich Gichtknoten (harte, schmerzlose Knoten, die sich unter der Haut befinden) am Sehnenansatz in Gelenknähe und dort besonders an den Füßen, Händen oder an den Ellenbogen.

Es können im Krankheitsverlauf Komplikationen auftreten. Unter anderem können sich Nierensteine entwickeln oder es kommt zu Arthritis urica. Da sich Harnsäure in den Nieren ablagert und die Nieren mit Entzündungen reagiert, kann es zu einer chronischen Gichtniere kommen, bei der die Nieren versagen.

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