Bei der Skoliose ist die Wirbelsäule seitlich verkrümmt. Diese Verkrümmung entsteht durch verdrehte Wirbelkörper. Meistens tritt die Skoliose zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr auf, beziehungsweise in diesem Zeitraum machen sich erste Symptome bemerkbar.

Bei Skoliose handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung. Damit wird ein Symptom bezeichnet, denn es gibt unterschiedliche Auslöser für die Entwicklung einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Man grenzt zudem eine funktionelle skoliotische Fehlhaltung von einer echten strukturellen Skoliose ab. Bei einer echten, strukturellen Skoliose ist die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule von permanenter Dauer, wobei die Wirbelkörper verdreht sind. Dagegen ist die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule bei der funktionellen skoliotischen Fehlhaltung lediglich vorübergehend und lässt sich durch verschiedene Maßnahmen beheben.

Weiterhin wird die Skoliose in verschiedene Formen unterteilt:

  • Bei der thorakalen Skoliose befindet sich der Krümmungswendepunkt in der Region der Brustwirbelsäule
  • Bei der lumbalen Skoliose befindet sich der Krümmungswendepunkt im Abschnitt der Lendenwirbelsäule
  • Bei der thorakolumbalen Skoliose befindet sich der Krümmungswendepunkt im Übergangsbereich von Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule
  • Bei der thorakalen und lumbalen Skoliose befindet sich der Krümmungswendepunkt im Abschnitt von Lendenwirbelsäule und Brustwirbelsäule

Zudem wird die Skoliose ohne erkennbare Ursachen (idiopathische Skoliose) danach unterteilt, wann die seitliche Verkrümmung auftritt:

  • Beginnt die Skoliose im Alter bis zu drei Jahren, spricht man von der infantilen idiopathischen Skoliose
  • Entwickelt sich die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr, wird von der juvenilen idiopathischen Skoliose gesprochen
  • Entsteht die Skoliose ab dem elften Lebensjahr, redet man von der adoleszenten idiopathischen Skoliose

Ursachen

Bei neunzig Prozent der Betroffenen kann keine genaue Ursache für die Skoliose erkannt werden. Bei den restlichen zehn Prozent entstand die Skoliose durch eine Störung der Nervenfunktion, einer Knochenkrankheit oder einer Erkrankung der Muskeln.

Bei einer idiopathischen Skoliose (Skoliose ohne erkennbare Ursache) wird vermutlich das Wachstum der Wirbelkörper durch fehlgesteuerte Muskeln, Nerven oder Stoffwechsel beeinflusst, sodass die Wirbelkörper ungleich wachsen und sich verdrehen. Zudem wird davon ausgegangen, dass eine genetische Veranlagung bestehen muss, damit sich die Wirbelsäule verkrümmen kann.

Zu den erkennbaren Ursachen der Skoliose gehören:

  • Angeborene Wirbelfehlbildungen
  • Gestörte Funktionen der Nerven
  • Muskelkrankheiten
  • Systemerkrankungen
  • Schief stehendes Becken
  • Unterschiedliche Beinlänge

Ebenso können medizinische Maßnahmen, wie beispielsweise eine Strahlenbehandlung der Wirbelkörper, zu einer Skoliose führen.

Wichtig

Auch im Säuglingsalter kann Skoliose auftreten, welche als Schräglagesyndrom bezeichnet wird. Es geht dabei also um eine Fehlhaltung, wobei die Babys entweder schief liegen oder sich auf eine Seite drehen.

Symptome

Meistens zeigen sich bei der Skoliose lange Zeit gar keine Beschwerden. Oftmals fällt die Verkrümmung auch nicht auf, während sie in anderen Fällen nicht zu übersehen ist:

  • Beim aufrechten und geraden Stand ist zu erkennen, dass die Schultern nicht gleich hoch sind.
  • Ist der Betroffene unbekleidet, fällt anderen Menschen oftmals auf, dass ein Schulterblatt deutlich hervorsteht.
  • Manchmal steht das Becken schief, das heißt, die eine Beckenseite ist höher als die andere.

Rückenschmerzen treten meistens erst ab dem dreißigsten Lebensjahr auf und wenn die Skoliose ausgeprägter ist. Ebenso kann es zu Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Schulterschmerzen kommen.

Aufgrund der dauerhaften Fehlstellung kann es zu vorzeitigen Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule und Verformungen kommen. Dies führt in manchen Fällen zu einer verminderten Funktion von Nieren, Herz, Lunge oder Magen-Darm-Trakt. Diese Funktionsstörungen sind jedoch eher selten.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Skoliose und deren Ursache. Zudem hängt die Therapie vom Alter ab. Im Säuglingsalter wird die Skoliose durch Krankengymnastik und konsequenter Bauchlagerung geheilt.

Bei einer leichten Skoliose ist oftmals keine Therapie erforderlich, da sich die Verkrümmung nicht negativ auswirkt. Ansonsten werden bei leichten Verkrümmungen krankengymnastische Übungen eingesetzt, mit denen die Muskeln aufgebaut werden. Außerdem werden mittels Krankengymnastik symmetrische Bewegungen eingeübt.

Skoliose Erlärung - Seitenverbiegung der Wirbelsäule

Bei einer mittelschweren Skoliose wird häufig neben der Krankengymnastik das Tragen eines Korsetts notwendig. Allerdings muss das Korsett täglich 23 Stunden getragen werden. Dies ist besonders für Kinder und Jugendliche eine Maßnahme, die als störend empfunden wird und oftmals nicht konsequent erfolgt. Mit dem Korsett wird verhindert, dass die Verkrümmung weiter fortschreiten kann. Außerdem wird die Verkrümmung korrigiert. Diese Korrektur hat aber nur dann Erfolg, wenn sich der Betroffene noch im Wachstum befindet und das Korsett konsequent trägt. Ist die Wirbelsäule ausgewachsen, lässt sie sich nicht mehr beeinflussen.

Bei einer schweren Skoliose wird ein operativer Eingriff in Betracht gezogen. Auch bei Kindern und Jugendlichen kann eine Operation nötig werden, wenn mit einem Fortschreiten der Verkrümmung zu rechnen ist. Zur Vorbereitung auf die Operation erfolgt eine Dehnungsbehandlung, mit denen die Wirbelsäule beweglicher gemacht werden soll. Der operative Eingriff wird die Wirbelsäulenform korrigieren und stabilisieren, wobei einige Wirbelsäulenabschnitte versteift werden.

Verlauf

Der Verlauf einer Skoliose hängt vom Alter, vom Diagnosezeitpunkt sowie von der Ursache ab:

  • Die Säuglingsskoliose entwickelt sich im ersten Lebensjahr oder ist angeboren. In den überwiegenden Fällen geht die Verkrümmung von selbst wieder zurück.
  • Die infantile Skoliose tritt bei Jungen häufiger auf als bei Mädchen. Der Verlauf ist meistens ungünstig.
  • Bei der juvenilen Skoliose zeigt sich mit zunehmendem Alter eine Verbesserung der Wirbelsäulenverkrümmung.
  • Die Prognose bei der Adoleszentenskoliose (entsteht in der Pubertät) ist günstig.

Kann einer Skoliose vorgebeugt werden?

Die Ursache der Skoliose ist meistens unbekannt. Somit gibt es keine wirksamen Maßnahmen, mit der sich eine Skoliose vorbeugen ließe.

Es ist jedoch möglich, den Verlauf der Skoliose zu beeinflussen: Die Aussichten auf Erfolg der Behandlung sind größer, wenn die Wirbelsäulenfehlstellung früh erkannt wird.

Eltern können die Körperhaltung ihrer Kinder regelmäßig überprüfen, damit sie eine Fehlstellung möglichst früh erkennen. Dazu eignet sich der Vorbeugetest, mit dem sich die seitliche Verkrümmung im Brustbereich feststellen lässt: Das Kind beugt seinen Oberkörper nach vorne und lässt seine Arme locker herunterhängen. Nun ist die Wirbelsäule durch die Haut gut zu sehen und man erkennt, ob sie gerade verläuft oder ob sie an einer Stelle seitlich gebogen ist.

Die Wirbelsäule sollte regelmäßig vom Orthopäden überprüft werden, wenn das Risiko einer Skoliose aufgrund einer Erkrankung höher ist.

Sportliche Aktivität bei Skoliose

Sport als zusätzliche Aktivität zur Krankengymnastik stärkt die Muskeln von Rumpf und Rücken. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, dass Betroffene sportlich aktiv sind oder werden. Folgende Sportarten sind bei Skoliose geeignet:

  • Rückenschwimmen, Rückenkraulen, Sportbrustschwimmen sowie Wassergymnastik und Aquafitness sind ideal, um Schäden der Wirbelsäule vorzubeugen und zu therapieren
  • Fahrradfahren, wobei auf eine aufrechte und rückengerechte Sitzhaltung geachtet werden muss (Beim Rennradfahren ist der Oberkörper nach vorne gebeugt und somit ungünstig für den Verlauf einer Skoliose)
  • Wandern
  • Nordic Walking
  • Aerobic
  • Tanzen
  • Klettern
  • Therapeutisches Reiten
  • Skilanglauf

Auch Joggen ist mit Skoliose möglich, wobei eher auf weicherem Untergrund gelaufen werden sollte (Wiese oder Wald). Zudem ist das Schuhwerk wichtig: Die Schuhe sollten über eine dämpfende Sohle verfügen, sodass die Wirbelsäule beim Laufen nicht gestaucht wird.

Generell sollte mit dem Arzt abgesprochen werden, welche Sportart in Frage kommt!

Grundsätzlich sind bei Skoliose Sportarten nicht geeignet, bei denen die Wirbelsäule stark belastet wird. Zu diesen Sportarten gehören unter anderem Squash, Tennis, Trampolinspringen und Gewichtheben.

Kinder und Jugendliche mit einer leichten oder mittelschweren Skoliose müssen in der Regel nicht vom Schulsport befreit werden. Auch Korsettträger können meistens am Sportunterricht teilnehmen. Doch auch hier gilt: Ob und welcher Sport ausgeübt werden soll und darf, sollte mit dem Arzt abgeklärt werden.

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