Mit dem Begriff Schleudertrauma wird eine Verletzung der Halswirbelsäule bezeichnet. Die HWS (Halswirbelsäule) wird plötzlich durch einen Auffahrunfall oder beim Sport extrem gebeugt und überstreckt. In erster Linie sind beim Schleudertrauma Weichteile verletzt und in manchen Fällen sind zudem Knochen oder Gelenke betroffen.

SchleudertraumaSchleudertrauma ist somit keine eigenständige Krankheit, sondern im Grunde lediglich eine Beschreibung eines Unfallmechanismus, bei dem Weichteile der Halswirbelsäule verletzt sein können. Diese Verletzungen sind in der Regel Muskelzerrungen, Bänderzerreißungen oder Bandscheibenzerreißungen. Seltener sind Knochen, Blutgefäße, Nerven oder Gelenke betroffen.

Von Ärzten wird oftmals der Begriff HWS-Distorsion verwendet. Dieser Begriff bezeichnet eine Halswirbelsäulen-Verstauchung. Damit werden jedoch ausschließlich körperliche Ursachen beschrieben.

Nach Quebec Task Force wird bei einer HWS-Distorsion in folgende Schweregrade unterteilt:

  • Schweregrad O – kein klinischer Befund, keine Schmerzen
  • Schweregrad 1 – kein klinischer Befund, Nackenschmerzen, Überempfindlichkeit, Verspannungen
  • Schweregrad 2 – Beschwerden des Schweregrads 1 plus eventuelle Bewegungseinschränkungen, Druckschmerz, Hämatombildung aufgrund Gefäßverletzungen, Muskelzerrung
  • Schweregrad 3 – Beschwerden des Schweregrads 2 plus Lähmungserscheinungen und reduzierte Muskeleigenreflexe
  • Schweregrad 4 – Halswirbelsäulenfraktur, Rückenmarkverletzung, Bänderriss, mögliche Querschnittslähmung

Ursachen

Die häufigste Ursache für ein Schleudertrauma ist der Auffahrunfall, wobei der Kopf nach vorne und hinten geschleudert wird und es somit zu einer starken Beugung und Überstreckung der Halswirbelsäule kommt. Auch tragen einige Sportarten ein erhöhtes Risiko für Schleudertrauma mit sich. Dazu gehören beispielsweise Judo, Ringen, Karate und Boxen. Zudem kann die HWS bei Fahrten mit dem Autoscooter, mit der Achterbahn oder ähnlichen Fahrgeschäften ebenso gewaltsam gebeugt und überdehnt werden.

Symptome

Die Symptome sind vom Ausmaß des Schleudertraumas abhängig. Direkt nach dem Unfall oder nach ein bis zwei Tagen kann der Kopf nur eingeschränkt bewegt werden.

Weitere typische Symptome sind:

  • Nackenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Steifer Nacken
  • Schwindel
  • Schwitzen
  • Sehstörungen
Wichtig

Manchmal treten noch andere Symptome auf, die nicht unbedingt auf ein Schleudertrauma hinweisen. Dazu gehören Müdigkeit, Vergesslichkeit, nachlassende Konzentrationsfähigkeit, Depressionen, Zittern und Tinnitus.

Diagnose

Da leichte Verspannungen oder Nackenschmerzen klinisch nicht unbedingt nachweisbar sind, gestaltet sich die Diagnose häufig nicht so einfach. In der Regel lässt sich der Arzt zunächst vom Patienten den Unfallhergang sowie die Begleitumstände erzählen. Zudem soll der Betroffene seine Symptome beschreiben. Der Patient wird körperlich untersucht und meistens folgt eine Röntgenuntersuchung. Mittels Röntgen kann festgestellt werden, ob Gelenke der Halswirbelsäule verletzt sind oder ob Knochenbrüche bestehen.

Weiterhin wird die Augenbeweglichkeit überprüft. Damit lässt sich erkennen, ob es zu einer Gehirnerschütterung gekommen ist.

Zudem wird der Nervenstatus überprüft. Kann dabei nicht ausgeschlossen werden, dass eventuell Nerven verletzt wurden, werden neurologische Untersuchungen durchgeführt, wie beispielweise eine Elektromyographie, das Messen der Nervenleitgeschwindigkeit oder eine Magnetresonanztomographie. Ein MRT (Magnetresonanztomographie) wird auch dann erstellt, wenn der Verdacht besteht, dass Weichteile verletzt sein könnten.

Wann zum Arzt?

Generell ist es besser, nach einem Unfall sofort zum Arzt zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Die Chancen auf eine schnelle Heilung sind höher, je eher die Behandlung beginnt.

Stellen sich die oben genannten Symptome verzögert ein, sollte sofort eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Auch bei folgenden akuten Anzeichen ist direkt ein Arzt aufzusuchen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Starke anhaltende Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen
  • Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle in den Armen
  • Gedächtnisschwund
  • Bewusstlosigkeit

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Verletzungsausmaß. Sind lediglich die Weichteile gezerrt, werden die Beschwerden mittels Medikamenten und Krankengymnastik gelindert. Früher legte man häufig eine Halskrawatte um, doch dieses Ruhigstellen schwächt die Halsmuskeln und somit sorgt somit eher für eine unzureichende Stabilisierung der Wirbelsäule. Die Halskrause verstärkt die Symptome mehr, als sie zu lindern. Bei einer ernsteren Zerrung der Weichteile wird das Tragen einer Halskrause jedoch notwendig.

Der behandelnde Arzt oder der Physiotherapeut kann dem Betroffenen ein paar Nackenübungen zeigen, die auch zuhause durchgeführt werden können. Weitere Behandlungsmaßnahmen sind Massagen und Wärmeanwendungen.

Bei stärkeren Beschwerden und länger anhaltenden Schmerzen kann die Behandlung aus einer Kombination von Antidepressiva, Physiotherapie und kognitiver Verhaltenstherapie bestehen. Bei Brüchen der HWS wird der betroffene Bereich eine Zeit lang ruhig gestellt. Manchmal wird in dem Fall eine Operation nötig.

Verlauf

In der Regel heilt ein Schleudertrauma leichten Grades nach einigen Tagen oder Wochen ohne Behandlung ab. Es kommt jedoch vor, dass zwar keine Verletzungen diagnostiziert werden konnten, aber die Schmerzen oder andere Beschwerden weiterhin anhalten. Bisher konnte noch nicht herausgefunden werden, warum ein Schleudertrauma bei manchen Patienten chronisch verläuft und der Verlauf bei anderen Patienten problemlos ist.

Es wird davon ausgegangen, dass folgende Gründe für einen chronischen Verlauf sprechen:

  • Es bestand bereits vor dem Schleudertrauma eine Wirbelsäulenschädigung, beispielsweise aufgrund Arthrose
  • Verspannungen und einseitige Belastung durch dauerhafte Schonhaltung
  • Es hat sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt, zum Beispiel weil keine oder über zu kurze Zeit Schmerzmittel eingenommen wurden. Die Schmerzen bleiben längere Zeit bestehen und dadurch kommt es zu einer ständigen Reizung der Nervenbahnen. Als Folge verselbstständigen sich die Schmerzen und Betroffene leiden, obwohl kein akuter Schmerz mehr besteht.
  • Subjektive stärkere Wahrnehmung der Beschwerden aufgrund Ängstlichkeit oder einer übertriebenen Vorsicht, sodass eine Schonhaltung eingenommen wird

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