Bei Morbus Bechterew handelt es sich um eine chronisch, entzündlich-rheumatische Krankheit. Sie gehört zu den Autoimmunkrankheiten. Andere Bezeichnungen für Morbus Bechterew sind Spondylitis ankylosans, ankylosierende Spondylitis oder bechterewsche Krankheit. Diese Erkrankung fängt in der Regel zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr an und kommt bei rund 0,9 Prozent der Gesamtbevölkerung vor.

Ursachen

Morbus Bechterew wird durch ein fehlerhaft funktionierendes Immunsystem ausgelöst, welches sich gegen das körpereigene Gewebe richtet. Dabei kommt es zu einer chronischen Entzündung, von der in erster Linie die Wirbelsäule betroffen ist. Im weiteren Verlauf der Erkrankung verknöchern die Weichteile, die sich zwischen den Wirbelkörpern befinden. Zudem werden die betroffenen Gelenke zerstört.

Die Ursache liegt zum einen im Erbmerkmal HLA-B27, zum anderen spielt die Darmflora eine Rolle bei der Entwicklung der chronischen Entzündung –wie man bei Versuchen mit Mäusen festgestellt hat. Das Immunsystem reagiert auf normale Keime in der Darmflora, sodass die chronische Entzündung entsteht.

Symptome

Das Hauptsymptom bei Morbus Bechterew sind die entzündlichen Rückenschmerzen, die langsam anfangen, mehr als drei Monate anhalten und bei Bewegung milder werden. Typisch ist auch die morgendliche Steife der Wirbelsäule. Diese Rückenschmerzen treten meistens vor dem 45. Lebensjahr auf.

Die Symptome bei der bechterewschen Krankheit fallen unterschiedlich aus. So beschränken sich die Beschwerden bei manchen Betroffenen auf die Wirbelsäule, wobei entweder die schubweisen Entzündungsschmerzen oder die sich stetig fortschreitende Wirbelsäulenversteifung vordergründig sind.

In einigen Fällen treten zudem weitere Symptome auf:

  • Arthritis – vor allem sind Knie-, Schulter- und Hüftgelenke betroffen
  • Entzündungen von Schleimbeutel, Sehnen und Sehnengleitgewebe
  • Iridozyklitis (Lichtempfindlichkeit, gerötete und schmerzende Augen)

Außerdem können Herzbeschwerden auftreten, wie Herzrhythmusstörungen und eher selten Aortitis (Entzündung der Hauptschlagader). Manche Betroffene leiden zusätzlich an Durchfällen oder einer leichten Lungenfibrose.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist individuell unterschiedlich. So verläuft bei einigen Betroffenen die Erkrankung eher milde und bei anderen aggressiv. Bricht die Erkrankung vor dem sechzehnten Lebensjahr aus, nimmt die Krankheit oftmals einen schweren Verlauf. Häufig kennzeichnet sich der Krankheitsverlauf durch folgende Merkmale:

  • In der Regel beginnt die Krankheit im Alter zwischen 15 und 35 Jahren
  • Es wechseln sich vorübergehende Besserungen und Entzündungsschübe ab
  • Die Wirbelsäule verformt und versteift sich fortschreitend
  • Rund vierzig Prozent der Betroffenen erleiden einmal oder immer wieder eine Regenbogenhautentzündung

Im Spätstadium ist der größte Teil der Betroffenen nicht auf fremde Hilfe angewiesen, auch dann nicht, wenn die Krankheit bereits vierzig Jahre andauert. Die Entzündungsschübe lassen in der Regel nach. Im Spätstadium tendiert die versteifte Wirbelsäule zur Osteoporose und neigt dadurch zu Wirbelbrüchen. Deshalb sollten Vorkehrungen getroffen werden, um Unfällen vorzubeugen.

In der Regel können an Morbus Bechterew Erkrankte bis zur üblichen Altersgrenze berufstätig bleiben.

Behandlung

Die Ziele bei der Behandlung von Morbus Bechterew sind die Schmerzlinderung und die Erhaltung der Wirbelsäulenbeweglichkeit. Dazu werden Medikamente eingesetzt und Physiotherapie verschrieben. Sehr bedeutsam für den Erfolg der Therapie ist die Regelmäßigkeit der krankengymnastischen Übungen. Betroffene sollten diese Übungen auch zuhause durchführen.

Zur Schmerzlinderung werden bei Morbus Bechterew Kortisonpräparate und nicht-steroidale Antirheumatika verwendet. Zudem werden sogenannte TNF-Hemmer zur Verminderung der Versteifung verordnet. Die TNF-Hemmer (Biologika) haben ebenso einen Einfluss auf die Beweglichkeit und die Schmerzen.

Ein operativer Eingriff erfolgt höchstens, wenn das Hüftgelenk betroffen ist und ein künstliches Hüftgelenk notwendig wird.

Wichtig

Morbus Bechterew ist nach dem aktuellen Stand der Medizin nicht heilbar. Der Verlauf der Krankheit kann jedoch mit oben beschriebenen Behandlungsmaßnahmen beeinflusst werden.

Eigene Verhaltensmaßnahmen

Neben der Behandlung können Betroffene auch selbst dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen. Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. stellt auf ihrer Homepage ein Faltblatt mit Verhaltensempfehlungen zur Verfügung. Dabei geht es vor allem um die Körperhaltung, Konditionstraining und um die emotionale Grundeinstellung – die Körperhaltung von Menschen mit fröhlicher, optimistischer Denkweise ist aufrechter.

Unter anderem werden folgende Tipps gegeben:

Mit spezifischen Bewegungsübungen lässt sich eine ernsthafte Verkrümmung der Wirbelsäule vermeiden. Diese Übungen erlernt man beim Physiotherapeuten und sollten täglich Zuhause durchgeführt werden.

Die körperliche Belastung am Arbeitsplatz sollte nicht zu stark sein. Zudem sollte sich die Arbeit in einer aufrechten Körperhaltung durchführen lassen. Bei einer idealen Tätigkeit  einer an Morbus Bechterew erkrankten Person wechseln sich Gehen, Sitzen und Stehen ab. Um die Wirbelsäule zwischendurch gerade aufzurichten ist es ratsam, sich in der Mittagspause zwischen zehn und zwanzig Minuten flach hinzulegen.

Wer viel sitzen muss sollte unbedingt auf eine aufrechte Haltung achten. Bei dieser Erkrankung tendiert die Wirbelsäule zu einer Krümmung nach vorne. Somit sollte bewusst darauf geachtet werden, sich aufrecht und gerade hinzusetzen.

Ebenfalls sollte vermieden werden, sich über längere Zeit vornüber zu beugen. In dem Fall können angepasste Sitzmöbel oder ein verstellbarer Stehpult hilfreich sein.

Die Matratze im Bett darf nicht zu weich sein. Sollte sie nicht fest genug sein, kann ein Brett zwischen Rahmen und Matratze gelegt werden. Das Kopfkissen sollte so gewählt sein, dass der Kopf fast waagerecht liegen kann. Muldenkissen sorgen für eine gerade bleibende Wirbelsäule, wenn man in Seitenlage schläft und für eine seitliche Abstützung des Kopfes, wenn in Rückenlage geschlafen wird.

An Morbus Bechterew erkrankte Menschen neigen unbewusst dazu, beim Gehen eine Schonhaltung durch kleine Schritte einzunehmen, um die Stöße abzufedern. Bei zu kleinen Schritten wird aber nicht die Hüftgelenkstreckung erhalten und dies ist bei dieser Krankheit besonders wichtig. Die Stöße können durch Schuhe abgefangen werden, die mit elastischen, dicken Absätzen versehen sind. Solche Schuhe sind beispielsweise im Sporthandel zu bekommen. Ebenso kann ein orthopädischer Schuhtechniker Pufferabsätze unter die Schuhe anbringen.

Sport lässt sich auch mit Morbus Bechterew betreiben und sollte auch betrieben werden (neben den für die Krankheit speziellen Bewegungsübungen). Durch sportliche Aktivität verbessert sich die Atemkapazität, der Kreislauf wird stabilisiert und die Kondition erhöht. Geeignet sind unter anderem Sportarten wie Skilanglauf, Schwimmen (in erster Linie Rückenschwimmen), Radfahren, Wandern, Walking, Badminton, Tennis, aber auch Prell- oder Volleyball. Welche sportliche Aktivität gewählt wird, hängt vom Krankheitsstadium ab und sollte mit dem Arzt besprochen werden. Bei allen für Morbus Bechterew geeigneten Sportarten ist es sehr wichtig, auf eine gute Ausrüstung sowie überlegtes Verhalten zu achten, damit Unfällen vorgebeugt werden können.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle bei dieser Krankheit. Die Entzündungsprozesse lassen sich abmildern, wenn mehr Fisch und dafür weniger Fleisch gegessen wird. Im Fleisch ist Arachidonsäure enthalten, die sich eher negativ auf die Entzündungsprozesse auswirken, während die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung erzielen. Auch eine Umstellung auf eine vegetarische Ernährung beeinflusst die entzündlichen Prozesse positiv.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT